Fortuna Köln und das verlorene Fußball-Märchen

Wenn Fan-Manager doch nichts zu sagen haben

01.02.2010 Jürgen Lang

Fans übernehmen die Macht bei ihrem Fußball-Verein, wenn das kein Fußball-Märchen ist! Doch in der Kölner Südstadt ist es leider beim Märchen geblieben.

Manage ein echtes Fußballteam! Dies ist der Kerngedanke, der erstmals in England mit dem Club Ebbsfleet United realisiert wurde. Die Fans werden Mitglied bei MyFootballClub und bestimmen per Abstimmung, was im Verein passiert und was nicht.

Im April 2008 startet ein solches Projekt auch in Deutschland. Sönke Wortmann will nach der Euphorie der Fußball-Weltmeisterschaft in Deutschland ein nächstes Fußball-Märchen kreieren. Als Fußballverein wird der S.C. Fortuna Köln gefunden, der damals in der sechsten Liga von alten Zweitligazeiten träumt.

Die Idee: 30.000 Fußball-Manager

Doch jetzt sollen die Fans das Heft des Handelns in die Hand nehmen und die Geschicke des Vereins im Kölner Südstadion leiten und lenken. Ob wichtige Entscheidung oder Randnotiz, über alles entscheiden die Mitglieder durch Abstimmungen im Internet.

Gesucht werden 30.000 Fans von Fortuna Köln, die innerhalb eines Jahres ihre Bereitschaft bekunden sollen, diese Idee zu unterstützen und Mitglied zu werden. In Anlehnung an das englische Original heißt das Projekt DeinFußballClub.

Ein guter Anfang - ein jähes Ende?

Wenn 30.000 Mitglieder 39,95 Euro pro Jahr zahlen, stehen dem Projekt 1.198.500,00 Euro zur Verfügung. Davon sollen 900.000 Euro an den Spielbetrieb gehen, der Rest an die deinfussballclub.de DFC GmbH, die hinter dem Projekt steht.

Die Zahl der Anmeldungen steigt mit Beginn des Projektes rasant, schnell ist die 10.000er Marke in Sicht. Doch im Sommer stagnieren die Zahlen. Das Interesse ebbt deutlich ab und im Herbst 2008 steht so gut wie fest, dass sich keine 30.000 Mitglieder finden werden. Somit scheint die Idee bereits früh am Ende zu sein und es droht ein Totalverlust der investierten Gelder.

Eine erstaunliche Wendung

Doch dann wird zum Jahresende eine Rundmail mit überraschendem Inhalt an alle Interessenten verschickt: Aufgrund der großen Nachfrage und dem Druck der Mitglieder soll das Projekt zum nächsten April starten und die Jahresbeiträge sollen eingezogen werden. Wer dies nicht wolle, kann den neuen AGB widersprechen, dafür aber auch bei den folgenden Abstimmungen nicht mehr mitmachen.

Dünne Antworten und eine ausgebliebene Abstimmung

Doch wer waren diese Mitglieder? In den Foren war hier von nichts zu lesen, auch gab es sonst keinerlei Bekundungen in diese Richtung. Auf die Frage, wer denn die vielen Mitglieder seien, die den sofortigen Projektstart wollen, bleiben die Verantwortlichen die Antwort schuldig. Entsprechende Mails werden nicht beantwortet.

Und vor allem: Bei DeinFußballClub soll über Alles und Jeden abgestimmt werden, doch ausgerechnet über diese wichtige und wesentliche Entscheidung findet keine Abstimmung statt! Es wird von oben bestimmt, dass das Projekt startet und die Gelder eingezogen werden. Auch auf diese Frage bleibt die Antwort der Verantwortlichen aus.

Ein sehr fader Beigeschmack

Und so entsteht der Verdacht, dass aus einer guten Fanidee eine gerettete Geschäftsidee wird. Mit dem vorgezogenen Start kann ein Totalverlust und Abspringen der Investoren immerhin verhindert werden. Wenn von den bis dahin knapp 12.000 registrierten Mitgliedern zehn Prozent widersprechen, können so wenigstens 431.460 Euro (10.800 x 39,95 Euro) gerettet werden. Eine Stellungnahme der Verantwortlichen bleibt aus, der fade Beigeschmack bleibt.

Später wird Daniel Stoeveken, Gründer und Geschäftsführer der deinfussballclub.de DFC GmbH, sagen: "Sicher wollen wir Geld verdienen. Wir investieren auch sechsstellige Beträge in das Projekt."

Und heute?

Bis zum April 2009 kommen in der Tat keine 30.000 Mitglieder zusammen, Anfang 2010 liegt ihre Zahl bei gut 10.600. Wirklich mitbestimmen können die Mitglieder auch nicht, denn gemäß den AGB haben sie mit der Mitgliedschaft nur die Nutzungsrechte für die Internet-Plattform erworben. Allerdings versichert Fortuna Köln-Präsident, dass jeder Abstimmungsbeschluss umgesetzt werden soll, wenn er denn realistisch ist. Und natürlich können die Mitglieder auch nicht über die Zukunft der deinfussballclub.de DFC GmbH entscheiden, hier bleibt die Hoheit immer bei den Gesellschaftern.

Es ist halt doch kein Fanmodell, sondern ein Geschäftsmodell. Das Fußball-Märchen im Kölner Südstadion aber ist längst auf der Strecke geblieben.

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